Montag, 24. November 2014

Fehlertutorial: Innendurchmesser bei 3D Drucken sind zu klein

An dieser Stelle beginne ich das Fehlertutorial bei dem die verschiedenen Printfehler mal ausgiebig (und auf deutsch!) diskutiert werden können und sollen. Da wir hier nicht an der Arbeit sind und alles für lau ins Netz stellen: Alles in unregelmäßigen Abständen, wenn es mir gerade mal so danach ist.


Die Problemstellung



Eine bekannte Problematik, die beim 3D Drucken, ist die Untermaßigkeit von Löchern. 
Das bedeutet, dass man in der CAD alles richtig geplant und gezeichnet hat, der 3D Drucker jedoch immer zu kleine Durchmesser von Bohrungen erzeugt.
Dies liegt an der späteren Aufbereitung durch die CAD Software. Diese wandelt Kreise/Zylinder in Polygone um, so dass - abhängig vom Kreisdurchmesser eine Verengung entsteht. Diese ist nicht linear, sondern abhängig vom Durchmesser bzw. von der Anzahl der Facetten. 
Je mehr Facetten oder Vertices ein Polygon hat, desto mehr nähert sich der Umkreis des Polygons an den ursprünglich in der CAD vorgegebenen Durchmesser an.
Kleinstmögliches Polygon: Ein gleichseitiges Dreieck
Gehen wir mal davon aus, dass die CAD Software eine Bohrung/Loch nur in Form eines Dreiecks auflösen kann. Dies ist bei sehr kleinen Durchmessern immer der Fall! Wie klein diese Durchmesser sind hängt von den Einstellungen in der CAD oder eben von nicht beeinflussbaren programmierten Parametern ab. Der Querschnitt eines durch ein Dreieck ersetzte Bohrung ist um 50% geringer! Da passt nix rein was dem Umfang entspricht, da muss gebohrt werden.
Egal wie es kommt, die CAD versucht also den Kreis durch ein Dreieck nachzubilden. Hierbei stellt der obige blaue Umkreis des Dreiecks den Kreis dar dessen Durchmesser der Anwender ursprünglich vorgegeben hat. Man kann hier schon erkennen, dass so ein Dreieck natürlich wesentlich weniger Platz bietet, als der blaue Umkreis. Davon abgesehen ist es eben eckig und nicht rund.
Verfeinert man die Auflösung, oder werden die Durchmesser der Löcher größer, kann die CAD Software viel komplexere Polygone erzeugen. Hier mal ein Beispiel für ein regelmäßiges Achteck (Oktogon):
Regelmäßges Achteck: Inkreis und Umkreis liegen schon dichter beieinander
Wie man erkennen kann, ist der Unterschied vom Umkreis und den Kanten des Polygons nicht mehr so groß, mit etwas Kraft kann man hier bereits die Bohrung nutzen. Aber auch das Achteck hat nur ca. 93% der Querschnittsfläche des entsprechenden Umkreises!
Erst ab ca. 22 Kanten geht der Unterschied stark gegen Null. Diese Zahl -22 - sollte man sich also merken wenn man maßhaltige Bohrungen erzielen will. 22 Facetten sollte ein Polygon mindestens haben, das einen Kreis ersetzt.
Am besten mal diese Objekt drucken und dann nachmessen wie viel sie tatsächlich dann haben. 
Die Polygone haben 3,4,5,6,8 und 10 Kanten und die Umkreise dieser Körper 3,4,5,6,7,8 und 9 mm Durchmesser. Die Umkreise der Polygone entsprechen denen, in der CAD erstellten Löchern. 
Nach dem Druck misst man beispielsweise mithilfe von Bohrern bekannter Größe nach, ab wann (ab wieviel Polygonen statt eines Kreises also) die Durchmesser stimmen. 
Den Korrekturwert verwendet man dann um entweder im Druckprogramm runter zu skalieren, oder im CAD den Durchmesser hoch zu skalieren (was nicht immer möglich sein dürfte) 
Kreise/Löcher werden im Slicer zu Polygonen - daher die Ungenauigkeiten
Das führt dazu, dass man entweder die korrekten Innendurchmesser designt und später dann die Bohrung aufreibt/aufbohrt, oder von vornherein die Innendurchmesser angibt, die dann dem Druckergebnis entsprechen. Dann ist die Zeichnung allerdings für andere Bearbeitungen wie CNC etc. nicht mehr geeignet, da die Durchmesser zu groß werden. 

Das Ganze ist also ein Softwareproblem. Außendurchmesser (z.B. bei Röhren) sollten übrigens immer stimmen, d.h. CAD und 3D Print sind (abgesehen von anderen Einflußfaktoren) gleich.

Der Slicer ist schuld !

Naja, der Slicer ist es eigentlich nicht sondern die CAD Software, wenn sie die Zeichnung in Netze umwandelt. Der Slicer führt ja nur das aus was ihm vorgegeben wird. Unter den Parametern ist dabei auch eine, die die minimale Auflösung beim Slicen festlegt. Standardmäßig steht sie auf 0 und soll somit die volle Auflösung der Zeichnung ermöglichen. Wem das Slicen zu lange dauert, der kann diesen Wert ja mal hochsetzen und so lustige Effekte bis zur Minecraft Klötzchengrafik erzeugen. Aber ich schweife ab...
Ein Objekt zur Demonstration dieses Effekts habe ich mal bei Thingiverse hochgeladen.
Kleines 3D Print Testobjekt zum Kalibrieren von gedruckten Bohrungen
Es eignet sich aber weniger zur Kalibrierung, als zur Veranschaulichung des Effekts. Das ist also etwas für Mathefreaks und Geometriefetischisten.

Interessanter für den Praktiker ist hingegen eine Lehre ala dem folgenden Teil. Ganz simple 5 Kreise in die Platte gebohrt mit 10, 10.0 , 11, 11.5 und 12 mm Durchmesser. Das Teil mit der feinstmöglichen Slicereinstellung, mit der ihr eure feinen Teile druckt ausdrucken und dann mit einem Gegenstand wie einem Bohrer mit 10 mm Schaft ausprobieren, in welches Loch auf der Platte  er passt.
Bei mir lag das so bei 11 mm , 10,5 waren knapp, hätten aber bei Kraftanwendung den Print gesprengt.
Meine Abweichung für 10 mm Löcher liegt also bei 5%-10% !

Der Beweis: 10 mm Bohrer passt nur in (lt CAD) 11.5 mm Loch!
Jetzt dürfen andere mal diesem Phänomenen mit wissenschaftlicher Akribie auf den Grund gehen, und DIN Tabellen und Kurvenscharen erzeugen aus denen man dann ablesen kann wie viel man das Bohrloch überdimensionieren muss, damit das Endresultat passt.
Ich aber drucke mir einfach ein paar dieser Schablonen, messe mir aus, wann der vorgegebene Wert erreicht ist und benutze dann eben statt 10 mm im CAD Programm circa 11.3 mm.
Vielen Dank an Nop Head für seinen seinen Beitrag, der Ausgangspunkt für diesen Artikel war. Wer ihn im englischen nachlesen will: http://hydraraptor.blogspot.de/2011/02/polyholes.html

Das Thema ist übrigens ein Ausschnitt aus meinem aktuellen, im Januar 2015 erscheinenden Buch "REPRAP Tricks & Hacks". Wie immer im Selbstverlag, da echte Verlage leider zu lahmarschig und unflexibel sind. Wie immer bei Amazon, wie immer unlektoriert (denn das kostet Geld und ihr wollt und sollt ja nix raustun), blutig und roh eben wie ein gutes Steak.

..und als ebook für registrierte Leser des Blogs kostenlos!

Hier nochmals der Link zu meinen Kalibrierobjekten für Löcher (wird fortgesetzt):
http://www.thingiverse.com/thing:560033

Bei Fragen hierzu einfach - Fragen!

Frohes Gelingen wünscht Euch

Marcel vom 3D Print Blog

Samstag, 22. November 2014

3D Druck hat falsche Größe



Aufgrund zahlreicher Faktoren (Mechanische Einstellungen/Fehler, Schrumpffaktoren von Thermoplasten, Rundungsfehler Slicer etc.) kommen Objekte, die präzise und maßhaltig sein müssen, manchmal nur mit näherungsweise korrekten Dimensionen aus dem FDM 3D Drucker.
Materialtypische Schrumpffaktoren, die dafür sorgen, dass das abgekühlte Bauteil kleiner als der berechnete Körper ist vorab einzubeziehen, ist für solche Einmalanwendungen zu komplex. Zudem würde es aufgrund der weiteren Faktoren nicht ausreichen.

Lösung:
Hier müssen wir das Ergebnis "hinpfuschen", da sonst der Aufwand in keiner Relation zum Ergebnis steht.
Nimm einfach das gedruckte Objekt und miss sie in X, Y und Z Richtung.
Dann vergleiche diese Werte jeweils mit den vorgegebenen Werten. Ermittle den jeweiligen Quotient aus Soll/Ist und gebe den entsprechenden Skalierungsfaktor bei Repetier Host für jede Achse ein.

Also konkret:

Objekt gedruckt ist 10,5 mm hoch (=> Skalierung Z Achse notwendig)
Objekt soll 10,00 mm hoch sein =>

10/10,5= 0,95  (= -5% )

Gebe im Repetier Host für die Z-Achse 0,95 als Skalierungsfaktor ein und drucke erneut!
3D Druck Skalierungsfehler im Repetier Host kompensieren
Kleiner Hinweis: Im Repetier Host gibt es bei der Skalierungsfunktion ein Schloss Symbol. Dieses soll bewirken, dass alle Achsen mit demselben Faktor skaliert werden. Will man einzelne Achsen mit verschiedenen Skalierungsfaktoren versehen, muss man das Schloss durch anklicken "öffnen" !
Weiterhin bleiben die Einstellungen beim Verlassen des Programms und sogar beim Laden weiterer Objekte nicht bestehen, sondern werden wieder auf 1 zurück gesetzt! Im Zweifelsfall also die ermittelten Werte aufschreiben und neu eingeben!
Weiterhin gibt es im Repetier Host eine versteckte Funktion mit nützlichen Informationen zu den Raumdimensionen des Druckobjekts. Hierzu wählt man rechts neben der Objektgruppe das winzige Zahnrad Symbol (mit rotem Pfeil markiert).
Das Objekt wird analysiert - erste Fehler sind also erkennbar - und die maximale Ausdehnung laut CAD Daten in X, Y und Z-Richtung angegeben. Abweichungen aufgrund des Materials oder mechanischer Fhler kann diese Analyse natürlich nicht erkennen und berücksichtigen.
3D Druck Objekt analysieren und Größe überprüfen

Ursache kann übrigens auch ein falsch im Repetier Host angegebenes Übersetzungsverhältnis des Achsentriebs, also das Verhältnis von Zahnrad zu Riemen, bzw. Antriebsrad zu Gewindetrieb sein!

Ein ähnlicher Artikel findet sich hier:

Fehlertutorial: Innendurchmesser bei 3D Drucken sind zu klein


Bei Fragen hierzu einfach - Fragen!
Frohes Gelingen wünscht Euch

Marcel vom 3D Print Blog

Donnerstag, 30. Oktober 2014

Firmware für den Printbot / OneUp flashen

Das Flashen des Speichers des OneUp (= Printrbot Clon ) gestaltet sich als umständlich und war bislang nicht möglich, wie ich in meinem letzten Posting zum Thema berichtet hatte

Allerdings bin ich dem Fehler auf der Spur. Zum einen hatte ich "teensy" groß geschrieben, das wird jetzt geändert zum anderen sind die modifizierten Config Dateien scheinbar im falschen Verzeichnis gelandet. So kann das natürlich nichts werden.. Auf meiner Google Odyssee bin ich dann aber noch auf eine interessante Information gestoßen, die ich nicht vorenthalten will. 
Flip Programmer für den Teensy
Es gibt mit dem Programm "Flip" von Atmel eine weitere Möglichkeit die Firmware des OneUps zu flashen. Allerdings verlangt die Software Hex files. Ob das angepasste OneUp Marlin als Hexfile zu bekommen ist, weisss sich derzeit noch nicht. Es dürfte auch recht umständlich sein, hier etwas zu editieren. Wer aber wie ich sich einen Wolf nach einer Lösung sucht, ist für diese kleine Info vielleicht trotzdem dankbar ;-) Hier geht es zur Website von Printrbot mit ein paar Instruktionen zum Flashen und zum Download von "Flip". 

Printrbot Wiki zum Flashen der Firmware: 

Download Seite 

Hinweis: Wer übrigens dieses Posting indirekt über einen Feed liest (einige Foren nehmen sie einfach als Gastbeitrag auf): 
Bitte immer dran denken, dass in der ersten Veröffentlichung auch mal der eine oder andere Fehler enthalten sein kann, der von mir auf meinem Blog zwar noch korrigiert wird, dann aber nicht mehr im Posting aus dem Feed, die übernehmen immer nur das Ursprungsposting. Wer also Hilfe braucht, weil er nicht weiter kommt, sollte erst mal in meinem Blogposting zum OneUp nachlesen, was der letzte, aktuelle Stand ist.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Halloween und 3D Drucken - Hier kommt Frankenstein!

Wer für Halloween noch nichts vorhat, kann sich ja mal an einer Frankenstein Skulptur versuchen. Bestimmt hätte man in den damaligen Tagen gerne auf die Hilfe eines 3D Druckers zurück gegriffen, wenn man ihn den gehabt hätte. Ein ganz nettes Video zum Thema Frankenstein 3D Druck findet sich hier unten: Viel Spass dabei! Gruselige Grüße zum Halloween Fest von Marcel http://3dptb.blogspot.de